BUND Naturgarten

Der BUND-Naturgarten am Gertrudenberg

Blick auf den Schuppen im BUND Garten

Die Geschichte des inzwischen gut 6000 qm große Garten begann im Jahre 1988 mit der Schenkung des ursprünglichen Grundstückes von zwei älteren Damen. Im Jahre 2019 ist der Garten dann noch einmal gewachsen - das Nachbargrundstück bietet nun noch mehr Menschen die Möglichkeit, sich im Gärtnern auszuprobieren. Die Bezeichnung „Naturgarten“ soll deutlich machen, dass der Garten ein Ort zum Experimentieren und Ausprobieren ist, an dem soweit es geht mit der Natur im Einklang gegärtnert werden soll. Im Garten gibt es drei unterschiedliche Bereiche:  

  1. Einen verwilderten Bereich ohne Pflege („Wald“)
  2. Extensiv durch Mahd mit der Sense gepflegte Flächen (Wiesen- und Wildkrautflächen) 
  3. Intensiv gepflegte Kulturflächen und einzelne Kulturpflanzen (Staudenflächen und Gemüsebeete, Hecken, Beerensträucher, Obstgehölz)

Grundsätzlich bei der Bewirtschaftung des Gartens sind:

  • Förderung der Artenvielfalt (Pflanzen und Tiere)
  • Bewirtschaftung durch Mischkulturen
  • Gründüngung oder Mulchen offener Bodenflächen
  • Bodenverbesserung durch Kompost, Steinmehl, Algenkalk oder organische Düngemittel
  • Keine Verwendung von Torf                                              
  • Keine Verwendung von Pestiziden
  • Keine Verwendung umweltbelastender Maschinen. 

Mitmachen!

Sie haben Lust mit anzupacken? Die aktiven Mitglieder, die den Garten betreuen, freuen sich auf Unterstützung bei verschiedenen Tätigkeiten.

Aktuell gibt es eine Warteliste für die Mitarbeit im Garten, weshalb es eine Weile dauern kann, bis Sie sich aktiv engagieren können.

 

Die Geschichte des BUND Garten am Gertrudenberg

Abendstimmung im Garten

Im Jahre 1988 bekam der Landesverband Niedersachsen des BUND ein 2700 qm großes Grundstück am Gertrudenberg in Osnabrück geschenkt. Diese Schenkung verdankt der BUND Elisabeth und Ruth Japing, denen das Grundstück gehörte und die es mit der Auflage verschenkten, dass es nicht bebaut wird. Dazu muss man wissen, dass es für den südwestlich des Fußwegs „Terrasse“ gelegenen Teil einen rechtsgültigen Bebauungsplan gab. Hier sollten Einfamilienhäuser entstehen, wobei auf dem jetzigen Grundstück des BUND neben der Bebauung ein Wendeplatz mit Parkplätzen vorgesehen war. Kurz vor der Schenkung wurde der Bebauungsplan jedoch aufgehoben und das Gebiet in einem neuen Bebauungsplan als Kleingartengebiet ausgewiesen.

Soviel zur Vorgeschichte.

Seit nunmehr als 30 Jahren wird der Garten von der Kreisgruppe Osnabrück des BUND betreut. Wie sah der Garten bei der Übernahme im Jahr 1988 aus und wie hat er sich seitdem verändert?

Genau genommen waren es zwei nebeneinander liegende Grundstücke, die durch eine Weißdornhecke getrennt waren. Beide Gärten waren zum Zeitpunkt der Übergabe verpachtet. Die Pacht lief mit Ende des Jahres 1988 aus. Die bisherige Nutzung als Kleingarten war deutlich an den Strukturen und den alten Obstbäumen abzulesen. Der eine Grundstücksteil war stark verwildert. Bei einer ersten Besichtigung landete man hüfthoch in blühendem Giersch. Teilweise hatten sich Wildkirschen dschungelartig ausgebreitet. Allenthalben meldeten Baumsämlinge (Bergahorn, Eschen, Kirschen, Walnüsse) ihre Herrschaft an.

Was sollte nun aus dem Garten werden? Sollte er sich zu einem kleinen Urwald entwickeln, weitgehend ohne menschlichen Eingriff, also „natürlich“? Hubert Markl schreibt in seinem Buch (Natur als Kulturaufgabe): „Ein schöner Garten lebt vom Reichtum seiner Selbstentfaltung, von seiner Ordnung wie von seinen Entgleisungen, vom Eingriff wie vom Eigenwillen, von Planung wie von Selbstgestaltung. Er ist nicht nur Ordnung und daher mehr als Plantage. Er ist nicht nur Wildnis und daher sehr nutzbar. Ein richtiger Garten ist die Harmonie von Natur und Kultur.“

Ein Konzept für den älteren Gartenteil hat sich allmählich entwickelt und sieht heute so aus: Es gibt drei unterschiedliche Themen bzw. Kulturstufen. In einem kleinen Teil geschehen so gut wie keine Eingriffe. Das ist der „Urwald“ als Beispiel für die Folgen, die sich aus fehlenden Maßnahmen ergeben: Nämlich dichter Auswuchs miteinander konkurrierender Bäume, die kaum Licht auf den Erdboden lassen, der nur mit Efeu bedeckt ist. Die Artenvielfalt ist hier sehr gering.

Das zweite Thema nimmt die größte Fläche ein: Es ist der Bereich extensiver Pflege. Dabei handelt es sich um Wiesen- und Kräuterflächen, die je nach Bedarf zwei- oder dreimal im Jahr mit der Sense gemäht werden. Hier stehen auch die Obstbäume.

Das dritte Thema schließlich sind die intensiv gepflegten Pflanzungen, also Bereiche mit Schmuck- und Nutzpflanzungen. Das sind Staudenpflanzungen oder Gemüsekulturen, aber auch das Beerenobst oder die regelmäßig geschnittene Rasenfläche zählt dazu. Generelles Ziel der gartenkulturellen Bemühungen ist es, einen in der Struktur vielfältig differenzierten Garten zu erhalten, der Artenvielfalt besitzt und zulässt und dadurch auch menschliche Bedürfnisse nach Abwechslungsreichtum und Schönheit befriedigt. (Natürlich ist das nicht jedermanns Schönheit).

 

Im neuen Gartenteil sind die Strukturen durch das kürzere Bestehen noch nicht in diesem Maße gefestigt. Das Carolinum führt dort sein Bienenprojekt weiter: Die Bienenstöcke stehen nun nicht mehr “in der Wildnis”, sondern sind in einem tollen Bienengarten angekommen.

Weiterhin ist dort ein großes Gemeinschaftsbeet entstanden, welches von allen Interessierten zusammen genutzt wird, um z.B. mit neuen Beet- und Anbauformen zu experimentieren - der Gedanke des Naturgartens wird auch hier weitergetragen. Zur Vertiefung des Gemeinschaftsgedankens des Gartens wird momentan außerdem eine leerstehenden Gartenhütte renoviert, um daraus einen kleinen Treffpunkt zum Zusammenkommen und Austausch zu vielfältigen Themen rund um Garten + Grünes werden zu lassen. Hier hat uns der Solarenergieverein mit einer Photovoltaik-Inselanlage unterstützt, so können wir bald lokal und autark in Selbstversorgung Strom erzeugen.

Das führte nun zu der Frage, wer den Garten betreut und nutzt. Nur ganz wenige Menschen sind noch seit der Anfangsphase dabei. Das ist auch verständlich, da das Leben Veränderungen mit sich bringt. Studenten, die anfangs stark am Garten beteiligt waren, beenden ihr Studium und wandern ab. Auch aus familiären oder beruflichen Gründen haben Mitstreiter die Arbeit im Garten aufgegeben. Aber dann sind auch wieder neue Garteninteressierte aufgetaucht, so dass über die Jahre hinweg ein Kontinuum von etwa 6-8 Einzelpersonen oder Familiengruppen am Garten beteiligt ist. Aktuell zeugt die bunte Zusammensetzung im Garten von einem Interesse am Thema in ganz vielfältigen Gruppen der Gesellschaft: Zu den erfahrenen Gärtner*innen kamen im Laufe der Jahre eine Gruppe junger Leute dazu, die z.T. in der Bewirtschaftung eines gemeinschaftlichen Gartens eine Art “Hereinschnuppern” in alternative Anbauformen außerhalb der klassischen Begrenzungen unseres wirtschaftlichen Agrarsystems finden..

Diese Personen bewirtschaften Beete mit eigenen Kulturen und helfen darüber hinaus bei gemeinschaftlichen Aufgaben. Neben diesen festen Nutzern gibt es regelmäßige oder gelegentliche Besucher. 

Am Tag des offenen Gartentors (meist Anfang Mai) wird der Garten von rund 50 Interessierten besucht. Auch zum Sommerfest der BUND ist der Garten für die Allgemeinheit geöffnet. In der Regel ist der Garten allerdings abgeschlossen, um Schäden durch Vandalismus vorzubeugen.

Es können aber über die Geschäftsstelle des BUND Besichtigungen vereinbart werden.

Nun aber zurück zu der eingangs gestellten Frage, wie sich der Garten seit seiner Übernahme durch den BUND verändert hat. Pflegemaßnahmen sind dem oben genannten Ziel nach Struktur- und Artenvielfalt verpflichtet. Deshalb müssen Entwicklungen unterbunden werden, die dieses Ziel gefährden. Extrem ausbreitungsstarke Gehölze und Stauden werden entfernt oder – wenn das nicht möglich ist – immer wieder zurückgeschnitten. Dazu zählen Sämlinge der eingangs erwähnten Bäume oder Sträucher (Haselnuss, Brombeere) sowie Stauden (Hopfen, Zaunwinde). Der vielfach geächtete Giersch dagegen gefährdet nicht die Grundstruktur des Gartens. Er wird lokal dort entfernt, wo er nichts zu suchen hat, im Übrigen aber toleriert. Das gleiche gilt für Akelei, die ja sehr hübsch blüht, aber sich unglaublich versamt. Die Samenstände werden vor der Reife entfernt.

Im Laufe der Jahre wurden einige Bäume gefällt, weil sie sturmgeschädigt waren, sie aus anderen Gründen eine Gefahr darstellten oder sie ihr Alter erreicht hatten. Es sind aber auch neue Bäume hinzugekommen (2 Apfelbäume, 1 Sorbus domestica, 1 Morus alba). Weitere Gehölz- und Staudenneupflanzungen dienen der Raumbildung und Strukturvielfalt und orientieren sich an den Standortverhältnissen und dem Kleingartencharakter.

Bei der Übernahme der Garten gab es keinen Wasseranschluss. Das Entgegenkommen eines Nachbarn ermöglichte es , eine Sommerwasserleitung an das städtische Wasserleitungsnetz anzuschließen. In erster Linie wird aber das von den Dachflächen der Lauben gesammelte Wasser zum Gießen benutzt.

Mehrere baufällige Lauben wurden im Laufe der Zeit abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der in Eigenregie entstand. Auf diese Weise entstand auch eine Komposttoilette als Ersatz für eine unbrauchbare Toilette in der vorhandenen, großen Laube.

 Eine hohe Stütz- und Brüstungsmauer fängt den Höhenunterschied zu dem ca. 4 m tiefer gelegenen Nachbargrundstück auf. Hier waren Reparaturarbeiten notwendig, um dem weiteren Verfall vorzubeugen, wobei Helfer aus dem Naturschutzzentrum gute Arbeit leisteten.

Inzwischen haben sich auch wieder ein Paar Hühner unseres Nachbarns zu uns gesellt! Da die Gartengrundstücke aneinandergrenzen, dachten wir uns, es sei eine schöne Idee, das Gehege über die Gartengrenze zu erweitern. Die neugierigen Tiere Scharren zwischen den Buchsbäumen, verstecken sich gerne im Gebüsch und überraschen neugierige Besucher.

 

Autor: Christoph Repenthin und Luana Schwarz