Kreisgruppe Osnabrück

Feldgrillen

Feldgrille (Gryllus campestris)

Wiederansiedlung in Nolle (Dissen).

Jahresbericht 2019

20.10.2019

Ein Projekt der Kreisgruppe BUND Osnabrück

Zur Vorgeschichte.

Bereits 2015 hat es Pläne vom BUND gegeben Feldgrillen auf einer Fotovoltaikanlage neu anzusiedeln. Die Fläche galt als extensive Wiesenfläche mit Schafsbeweidung und nach Einschätzung vom Biologen Robert Bocsik, der bereits Wiederansiedlungsprojekte initiiert hat, als geeignet. Aufgrund komplexer Planungsvorgaben und zeitlicher Umsetzungshürden konnte erst 2018 endgültig eine Wiederansiedlung in diesem Gebiet angegangen werden. Leider hatte sich dann der Betreiber der Solaranlage überraschend und ohne Grund wieder von dem Projekt gelöst.

Das es 2018 dennoch zu einem Wiederansiedlungsprojekt kam, ist ebenso verschiedenen Verkettungen zu verdanken. Robert Boscik hatte seine Feldgrillenzucht augrund eines vorangegangenen Projekts noch aufrecht erhalten und im laufenden Jahr überdurchschnittlich gute Zuchtergebnisse bekommen- zeitgleich konnte der BUND im Rahmen seines Wiesenprojekts - Blühender Landkreis - eine ca. 1,2 ha große Wiese an südlicher Hanglage am Teutoburger Wald für das Projekt gewinnen:

„Die Tiere stammen von einer der letzten authochtonen

Populationen in der Westfälischen Bucht, ca. 40 km süd-

westlich von Nolle, vom Münsterländer Kiessandzug, der

im Bereich des Steiner Sees als Grenzertragsstandort vor allem

dem forstlichen Anbau von Kiefern diente, was die seltene Grillenart

dort nicht hat aussterben lassen, da immer ausreichend sonnige

Stellen mit Offenbodenanteilen vorhanden waren...

 

Zu Zeiten der Wanderschäferei hingen die westfälischen

Teilpopulationen sicher zusammen, sodass davon auszugehen ist,

dass die Tiere an die lokalen Bedingungen hier bestmöglich angepasst

sind, dies als insgesamt (ehemals) zusammenhängendes Areal zu verstehen

ist. Jedoch dort, wo die Art - was leider auf die meisten Teilpopulationen zutrifft -

einmal ausgestorben ist (=ausgerottet wurde, trifft es eher!) , kommt sie von

allein (ohne z. B. wandernde Schafherden) nicht so schnell wieder hin, weil

die Feldgrille nördlich der Alpen in aller Regel nicht, i. P. nie, flugfähig und

daher zu einer aktiven Ausbreitung nur in zusammenhängenden

Optimalhabitaten in der Lage ist (im frühen Larvenstadium).“

 

Robert Boscik.

 

Robert Boscik konnte der Wiese eine hervorragende Voraussetzung für die Feldgrillen bescheinigen- auch mögliche Ausbreitungsmöglichkeiten waren gegeben.

Nach der Mahd Mitte Juli konnte nach positiver Genehmigung des Landkreises das Wiederansiedlungsprojekt starten. 4000 Feldgrillen in allen larvalen Stadien konnte in Nolle freigesetzt werden.

R.Boscik:

"Die Zahl von Feldgrillen-(Gryllus campestris-) Larven von ca. 4000 Tieren

entspricht der Nachkommenschaft von etwa 4-12 Pärchen ausgewachsener

Feldgillen. Ein Pärchen der Art kann bis über 1000 Nachkommen hervorbringen.

 

Die meisten dieser vielen Juvenilen landen in den Schnäbeln junger Meisen,

den Mäulern von Eidechsen, Lurchen, Raubkäfern, Spinnen und weiteren

Beutegreifern, die z. T. wiederum selbst nicht selten Beute von Arten

jeweils höherer Tröphieebenen sein können, es oft auch werden.

Neben der Feldgrille selbst ist dies Hauptziel der Maßnahme!

 

Bei positiv verlaufenden Wiederansiedlungen liegt die Zahl erwachsener Grillen

im ersten Folgejahr recht niedrig und es können / konnten oft nur wenige

singende Männchen gezählt werden. Erst wenn die Art sich allmählich

am neuen (oft "neuen alten" - wenn auch viele ehemalige Standorte meist nicht

punktgenau bzw. scharf abgegrenzt kartiert worden waren in früherer Zeit...)

wieder etabliert hat, steigen die beobachtbaren Zahlen deutlicher. Im Anschluss

daran stellen sich nach und nach auch vermehrt und regelmäßiger wieder Arten

wie Raubwürger und Neuntöter, Lerchenarten u. v. a. mehr ein... Feldgrillen

sind sehr potente Zoo-Biomasse-Bildner und sind bei solchen spezielleren

Artenschutzmaßnahmen insofern nicht nur als Selbstzweck zu verstehen,

sondern auch und sogar insbesondere als "Beute", als potente Bereicherung

des Beutetierspektrums eines jedweden ausgewählten Standortes zu verstehen

bzw. auch dies ist ausdrücklich auch Ziel der Maßnahme.

 

Mit höchster Wahrscheinlichkeit werden 95-99 % der in diesem Jahr ausgesetzten

Feldgrillen Beute anderer Tiere oder fallen in ggfs. milden Wintern Pilzen zum Opfer.

 

Im schlechtesten Falle könn(t)en auch alle ausgesetzten Feldgrillen eliminiert werden.

Ganz auszuschließen ist das nie. Deshalb ist es immer am ehesten zielführend und

geboten, so viele Juvenile wie möglich auszubringen, um die Erfolgsausichten auf

eine gelungene (Wieder-)Ansiedlung zu erhöhen. Ein zuviel gibt es sinngemäß

in diesem Falle nicht! Alle Tiere, die evtl. "zu viel" wären, würden unverzüglich

aufgefressen, von Igeln, Spitzmäusen, Raubkäfern, Spinnen, Raubwanzen,

Blindschleichen u. v. a.!"

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